Donnerstag, 7. Mai 2026

"Bedrohliche Alpilles", der 13. Fall für Capitaine Roger Blanc

Der Himmel leuchtet, als hätte ihn der große Meister mit nur leicht wasserverdünnter Aquarellfarbe gemalt. Morgensonne scheint durch das Holzfenster der Schreibstube unterm Dach der alten Ölmühle, über den Dachschindeln ziehen ein paar Mauersegler halsbrecherische und ein Turmfalke majestätisch perfekte Kreise.



Sieht fantastisch aus. Allerdings bedeuten klare Luft, helles Licht und kreisende Vögel, dass gerade vor meinem Fenster Hunderte Bienen, Fliegen, Mücken, Eidechsen und Mäuse um ihr Leben fürchten müssen. Tja, so kann Schönheit täuschen.

Sein 13. Fall führt Roger Blanc ab dem 12. Mai in die „Bedrohlichen Alpilles“, und die sehen auch super aus. (siehe hier: https://provencebriefe.blogspot.com/2026/01/les-opies-in-den-alpilles.html) Zumindest, so lange man nicht zu genau hinguckt: Ein weites Tal, eine uralte Ruine, zwei felsige Bergrücken, zwei kleine Städte, Dutzende Olivenbäume, Hunderte Weinstöcke… 





Doch wenn man genauer hinguckt, mitten im weiten Tal: neun Patronenhülsen, ein demoliertes Auto, ein Fahrrad, drei Tote, ein traumatisiertes Mädchen. Tja, so kann Schönheit täuschen.

Blanc hat einen neuen Job bekommen. (https://provencebriefe.blogspot.com/2025/11/zwolf-provence-krimis-mit-roger-blanc.html) Er ermittelt weiterhin mit Fabienne und Marius, doch sind zwei junge, reichlich selbstbewusste Gendarmen hinzugekommen. Der erste Fall des neuen Teams ist ein Cold Case und, wie sie ein pensionierter Kollege warnt, der „beschissendste Fall Frankreichs“: Mitten in den scheinbar so idyllischen Alpilles und mitten im Hochsommer sind eine in die Provence ausgewanderte Familie und ein harmloser Radfahrer Opfer eines Mordanschlags geworden.

Ein kaltblütig geplanter Hinterhalt oder ein zufälliges Massaker? Ging es um Rache, Geld, Drogen, Neid, Rivalitäten, Eifersucht… Nichts, nichts, nichts haben Blancs Vorgänger trotz Jahre langer Mühen herausgefunden, es gibt keinen Verdächtigen, kein Motiv, keine einzige brauchbare Spur.

Blancs Leute sind zunächst genauso ratlos wie die alten Flics. Doch dann stoßen sie auf erste Indizien, seltsame Aussagen, bizarre Zufälle, beunruhigende Geheimnisse. Und bald haben sie mehr Verdächtige, als sie sich das je haben vorstellen können. Nur: Wie kann man einen Mörder überführen, viele Jahre nach der Tat?

Indem man ihm schließlich eine Falle stellt…





Ich habe mich von einem echten Cold Case aus Frankreichs überreicher Kriminalgeschichte inspirieren lassen. Ein Mehrfachmord an einem anderen Ort, in einem anderen Jahr, doch an einer Familie sowie einem in der einsamen Natur zufällig oder auch nicht zufällig vorbeikommenden Radfahrer. Angesichts von so viel Gewalt mag es zynisch klingen zu gestehen, dass es mir außerordentlich viel Vergnügen bereitet hat. Aber, ja doch, ich hatte großen Spaß, mit den Alpilles eine der schönsten Ecken der Provence zu beschreiben. (https://provencebriefe.blogspot.com/2026/04/der-castellas-de-roquemartine-und-die.html) Und es war, formulieren wir es so: eine intellektuelle wie emotionale Herausforderung, ein Mysterium, das in der Realität leider bislang nicht und vielleicht nie gelöst ist, wenigstens in der Literatur zu erhellen.

Denn selbstverständlich klären Blanc und seine Mitstreiter den Fall auf – allerdings, siehe oben, ganz anders, als sie sich das vorgestellt haben. Immerhin ist die Provence nach diesen Ermittlungen wieder ein schöner Ort.

Zumindest bis zum nächsten Verbrechen.






Weitere Informationen zum Buch gibt es hier: https://www.dumont-buchverlag.de/buch/cay-rademacher-bedrohliche-alpilles-9783755811923-t-7791

Keine Kommentare:

Kommentar veröffentlichen