Dienstag, 6. Oktober 2026

Goldener Oktober in der Provence / La Nuit des Ruines

Oktober, Herbst, und wenn ich in meiner Schreibstube aus dem Fenster gucke, ist noch alles grün. Äh, grün? Eh bien, nix goldener Herbst, rotes Laub, Nieselregen. Eigentlich regnet es so gut wie überhaupt nicht. Tagsüber siebenundzwanzig Grad, Sonne, laues Lüftchen.

Da wollen wir mal nicht jammern.






Selbst verzärtelte Gemüter können ihre Alabasterkörper noch problemlos in die Wellen werfen, das Meer ist dreiundzwanzig Grad warm. (Ich habe in Hamburg Hochsommertage erlebt, da war es zur Mittagszeit frostiger.) Mücken stechen sich und mich besinnungslos, das ist schlimmer als im August. Schüler fackeln Schulen ab, eine Stimmung wie im Mai (dem von `68). Falter flattern, Tauben kacken und die Bisamratten veranstalten im Unterholz der Touloubre einen Lärm, als würde gleich ein T-Rex durchs Gehölz brechen.

Respektiert denn hier niemand den Herbst?



Denn es ist viel zu trocken. Es ist viel zu warm. Und Pflanzen und Tiere machen nicht das, was sie in der Schule gelernt haben, sondern benehmen sich, als wären immer noch Sommerferien. Gibt es denn überhaupt keinen Herbst? Klar doch:

Morgens steigt Nebel aus der Touloubre.



Der Mond leuchtet so, wie er im Herbst leuchten soll.




Der Wein an der Südfassade unseres alten Hauses ist reif, die Trauben sind klein und köstlich und die Blätter röten sich tatsächlich.

Stinkwanzen fürchten sich vor kühlen Nächten, rufen den D-Day aus und starten mit der Invasion des Hauses. (Obwohl, ein richtiger Herbst ist das ja irgendwie nicht, eher so ein Klimawandel-Globalisierungs-Ding, denn diese Scheißviecher sind erst vor ein paar Jahren aus Asien zu uns gekommen.)




Ach ja, Pilze!

Pilze, immerhin, wachsen schon wie im richtigen Herbst – zumindest ein Pilz, nämlich auf der Schnauze unseres Hundes. Sieht aus, als hätte jemand eine Zigarre auf seinem Rüssel ausgedrückt. (Scheint aber nicht wehzutun.) Jetzt muss unser Fellbeutel zwei Wochen lang pilzkillende Tabletten fressen, immerhin in Pastete eingewickelt, sonst schluckt er die Dinger einfach nicht runter. Unserm Vierbeiner zumindest schmeckt dieser Herbst.

Alors: Wenn du vor der Côte Bleue rückenschwimmend in die Sonne blinzelst, dann ist ein goldener Oktober, Version Klimawandel, schon sehr, sehr flauschig. Doch tief in sich drin fragt sich der Schwimmer: Wie geht das weiter? Wo führt das noch hin?





P.S.: La Nuit des Ruines ist draußen: Andere Zeit (1945), anderer Ort (Köln in Ruinen), andere Sprache (Französisch). Historischer Krimi und kleine Zeitreise in Krieg und Spätfaschismus. Wo führt uns das wohl noch hin?

https://www.editions-jclattes.fr/livre/la-nuit-des-ruines-9782702453421/