In der Provence werden Lavendel und Wein, Oliven und Mandeln geerntet. Wir ernten Holz. Wann sollte man das erklären, wenn nicht jetzt, in diesem langen Winter, der es sich so verdammt ungemütlich bei uns eingerichtet hat? (Oui, sogar bei uns im Süden. Obwohl wir natürlich auf hohem Niveau jammern. Eine Streusalzdebatte müssen wir hier zum Beispiel eher nicht führen.)
Also, Holz: Uns gehört hinten raus ein Streifen Land, der rein betriebswirtschaftlich gesehen rein gar nichts wert ist. Kein Bauland, kein landwirtschaftlich nutzbares Terrain. Einfach ein Bach wie Du & Ich, der ungeregelt vor sich hin fließt. Daneben ein schmaler Streifen, der ein-, zweimal jährlich von eben jenem Bach überflutet und ansonsten von Brombeeren und anderem Gestrüpp überwuchert wird. Dahinter eine mehr oder weniger steile Felswand, in der sich irgendwie Fichten, Micocouliers und vor allem mediterrane Eichen festkrallen. Also alles super und ein Reservat für Wildschweine und Füchse, für Enten, Reiher, Bisamratten und Hund und Herrchen, die durchs Unterholz joggen.
In diesem Urwald ist der Mistral der beste Holzfäller. Wenn er bläst, dann wirft er mal hier, mal dort einen Baum um – meistens einen, der schon längst in die Ewigen Baumgründe eingegangen ist und halt irgendwann umfällt, wie eine Leiche so umfällt. Wir haben einen schönen Ofen in unserer alten Ölmühle, der mit Holz schön heizt, also … eh voilà! Bloß: Wie kommt das Holz vom provenzalischen Dschungel in den Ofen?
Zum Glück kennen wir inzwischen Holzfäller, ich meine: richtige Holzfäller, Profis, die so etwas jeden Tag machen. Zwei bärtige Kerle, die einen Tag lang mit der guten lauten Stiehl durch den Wald pflügen wie zwei Taliban auf Steroiden. Und schon ist das Bruchholz sauber zersägt und ordentlich aufgestapelt und die beiden Taliban verlassen zufrieden das Schlachtfeld.
Allerdings liegt das schön gestapelte Holz noch immer in unserem Dschungel...
Anschließend werden die dicksten Stämme noch mit der Axt zerhackt. Tipp vom Profi: Polieren Sie Ihre Kreditkarte und kaufen Sie gleich ein schweres Modell mit Karbonstiel; geht durch das Holz wie Butter und die Erschütterungen werden nur gedämpft in Schulter und Co. weitergeleitet.
Am Ende hat man super viel Holz. Man schwitzt super viel. Und man stellt fest: Mir ist so warm, ich brauche jetzt gar keinen Ofen mehr.




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